Bin ich zu alt, um Golf zu lernen?

Was es mit der Meinung bzgl. des Lernprozesses in einem gewissen Alter auf sich hat, wollen wir auf den Prüfstand stellen. 

Doch so viel sei gesagt: Es gibt auch für die "Best-Ager" keinen Grund, sich entmutigen zu lassen!

Was das Lernen angeht, besitzt der Mensch in jungen Jahren, ungefähr bis zur Pubertät, sicherlich die höchste Neuroplastizität. Das bedeutet, dass sich die Nervenbahnen in dieser Zeit am aktivsten formen, und dieser Umstand ist natürlich bedeutend, wenn man den Anspruch hat, zu den Spitzengolfern zu zählen. Kinder, die schon frühestmöglich golferisch gefördert werden mit Sicherheit einen Vorsprung haben, den auch Junggolfer nicht mehr aufholen können. Aber geht es um Spitzenleistungen, wenn man mit 50 beschließt, das Golfen zu lernen? In den meisten Fällen eher nicht.

Trotz aller Veränderungen im Alter bleibt das Gehirn über die komplette Lebensdauer anpassungsfähig, auch wenn eher das erfahrungsbasierte Wissen die Oberhand gewinnt. Deshalb brauchen neue Lerninhalte unter Umständen etwas länger, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind und mit zunehmendem Alter ändert sich auch die Art und Weise, wie wir lernen. 

Mit Sicherheit geht das Alter auch nit ganz spurlos an Muskeln und Gelenke vorbei, auch wenn Koordination ein Leben lang trainierbar bleibt. Sowohl Grob- as auch Feinmotorik sowie Muskelmasse und Elastizität bauen im Alter ab und nach dem 60. Lebensalter ganz deutlich, wobei hier extreme individuelle Unterschiede zu beobachten sind. 

Im Bereich zwischen 30 und 50 Jahren ist man jedoch noch weit davon entfernt, drastische Auswirkungen zu bemerken. 

 

Kommen wir nun zu den "weichen" Argumenten, die ausschlaggebend sind, wenn es darum geht, das Golfen zu lernen, wie z.B. die Motivation.

Nimmt man als Kind die Aufgabenstellung des Lehrers und die eingeforderte Trainingszeit gewöhnlich relativ kritiklos an, kann es im Alter unter Umständen schwerfallen, jüngere Lehrer als Autorität zu akzeptieren. Haben Kinder die nächste Unterrichtssunde oder die Hausaufgabe als Konkrete Zielsetzung, muss man sich als Erwachsener häufig selbst Ziele setzen und ein gewisses Maß an Selbstdisziplin einfordern. Andererseits, und das beschleunigt Lernprozesse immens, seiht man sehr häufig ältere Schüler, die aufgrund ihrer Reife und eine viel klarere Vorstellung von dem Haben, was sie erwarten und umsetzen wollen. Daraus lässt sich in der Regel eine hohe Motivation ziehen, die man jedoch im Idealfall auch über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten muss. 

 

Eines der größten Probleme erwachsener Schüler ist sicherlich, einen halbwegs konstanten Zeitplan aufzustellen, um ein stetiges Üben zu gewährleisten. 

Häufig machen einem die Notwendigkeiten und Probleme des Alltags einen Strich durch die Rechnung und so wird es immer wieder Tage oder möglicherweise Wochen geben, din denen die Golfschläger im Schrank bleiben. So etwas kann den Lernprozess natürlich verlangsamen oder lähmen. Hat man in jüngeren Jahren immer noch ein Stündchen Zeit, dem Hobby zu frönen, und das zu einer Tageszeit, in der man noch einigermaßen frisch im Kopf ist, so ist nach einem achtstündigen Arbeitstag sicherlich mehr Überwindung und Selbstdisziplin gefragt, will man die Konzentration für das Training aufbringen. 

Hier gilt es einen guten Zeitplan aufzustellen, der wöchentlich mindestens 60 Minuten zielgerichtetes und ungestörtes Üben möglich macht. Das ist ab einem gewissen Lebensabschnitt schwieriger, aber dennoch möglich. 

 

Die Frage, ob man jemals zu alt ist, um Golf zu lernen, kann man eindeutig verneinen, sofern es keine medizinisch relevanten Einschränkungen in körperlicher oder geistiger Hinsicht gibt. 

Ob man der nächst Tiger Woods, Annika Sörenstam oder Jordan Spieth wird, ist sicherlich fraglich, aber die Möglichkeit, den Golfschläger auf einem Niveau zu bedienen, auf dem man selbst Spaß hat und zufrieden ist, wird immer gegeben sein.

Letztendlich entscheidet allein euer inneres Verlangen und eure zeitlichen Kapazitäten über die Möglichkeit, auch im höheren Alter noch über sich hinauszuwachsen. 

Insofern möchte ich alle ermutigen, diesen Schritt zu gehen, denn der Wille, etwas wirklich aus sich heraus und aus eigenem Antrieb zu wollen, kann wirklich Wunder bewirken und hat einen wesentlich stärkeren Einfluss auf Ge- oder Misslingen als alle anderen Faktoren.

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